„Ich will es nicht Krise nennen” – mit Katrin Glaser über den Wandel der Hochzeitsbranche
Episode 017
22. Oktober 2026
In der Hochzeitsbranche ist derzeit viel von einer Krise die Rede. Katrin Glaser, Gründerin von Sagt Ja – Agentur für Hochzeitsplanung & Event Design und seit 23 Jahren in der Event- und Hochzeitsbranche, weigert sich bewusst, dieses Wort zu benutzen – und das nicht, weil sie die Lage beschönigen würde. In dieser Folge von Dirty Wedding Talk benennt sie sehr offen, was sie beobachtet, und zieht daraus dennoch eine andere Schlussfolgerung als viele ihrer Kolleginnen und Kollegen.
Was sie sieht, ist ernüchternd: langjährige, stabile Partner, die plötzlich keine Aufträge mehr haben, die Mitarbeitende oder Ateliermieten nicht mehr tragen können und reagieren müssen. Steigende Kosten in der Floristik, ein unter Druck geratener Papeterie-Bereich, ein Markt, der so voll ist wie nie – und zugleich der Rückzug genau jener Partnerinnen und Partner, die seit Jahrzehnten mit Hingabe und Professionalität gearbeitet haben. Dazu kommt eine belastbare Zahl: die niedrigste Verlobungsquote seit 1950, mit der Erwartung eines weiteren Einbruchs.
Katrin verbindet diese Entwicklung mit der wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheit der vergangenen Jahre und mit einer neuen Generation, die ins heiratsfähige Alter kommt und andere Prioritäten setzt – mehr Investition in Reisen, Sport, Selbstwahrnehmung, in sich selbst. Statt all das als Krise zu rahmen, versteht sie es als großen Wandel und als Marktverschiebung, der man sich stellen muss, statt sie zu beklagen.
Daraus leitet sie einen klaren Appell an Dienstleister ab: Nur weil es anspruchsvoller geworden ist, etwas zu verkaufen, ist es noch keine Krise. Entscheidend ist, genau hinzuschauen – ist der Einbruch ein vorübergehendes Phänomen oder zieht er sich über einen nicht mehr tragbaren Zeitraum? Und ebenso entscheidend ist die Frage nach der eigenen Positionierung, der eigenen Handschrift und Authentizität. Katrin beschreibt, wie sie sich dafür selbst jedes Jahr Zeit nimmt: vier Tage Schweigen im Januar, ohne Medien, in denen sie Zahlen, Team, Werte und den idealen Kunden für sich neu schärft.
Ein zweiter Strang der Folge ist die auffällige Kurzfristigkeit, die diese Saison geprägt hat. Katrin erklärt, warum ein Planungsvorlauf von nur wenigen Monaten keineswegs nur Stress bedeutet, sondern zu schnelleren Entscheidungen und einem schärferen, ehrlicheren Ergebnis führen kann – und warum professionelle Planung dann allerdings zwingend notwendig wird.
Eine Folge, die léconic dort positioniert, wo Orientierung gebraucht wird: bei der nüchternen, zugleich zuversichtlichen Einordnung eines Marktes im Umbruch – und bei der Frage, was es braucht, um darin zu bestehen.









